Geschichte des Briefs
Eigentlich ist ein Brief ganz einfach eine Nachricht, die man auf Papier schreibt und an einen anderen Menschen verschickt. Man kann so ziemlich jedem Menschen einen Brief schreiben, sogar der Bundeskanzlerin oder dem Papst. Leider antworten die aber nicht so oft, und deshalb ist es schöner, Menschen zu schreiben, die auch selber zurück schreiben.Briefe verschickt man heutzutage mit der Post. Die sorgt dafür, dass die Briefe sicher ankommen und nicht von fremden Feinden geraubt werden. Damit man Briefe auch überall verschicken kann, hat die Post in allen Dörfern und Städten gelbe Briefkästen aufgestellt.
Den Brief an sich gibt es schon sehr lange. Sogar als das Papier noch nicht erfunden war, schickten sich  die Menschen bereits Briefe. Die Babylonier zum Beispiel schrieben ihre Briefe auf Tontafeln, und die alten Griechen und Römer ritzten ihre Briefe auf Holzplatten, die mit Wachs beschichtet waren. In Ägypten dagegen war man schlauer und hatte schon etwas Besseres erfunden, nämlich das wesentlich leichtere Papyrus. Die Ägypter fertigten Papyrus aus den breiten, grasartigen Halmen der Papyruspflanze. Es war dem heutigen Papier schon sehr ähnlich, und daher leitet sich das Wort Papier auch von dem Wort Papyrus ab.Die Griechen und Römer wollten dieses praktische Material dann auch gerne haben, denn wenn man klobige Holztafeln in der Gegend rumtragen muss, macht das ganz schön müde.
Schon in der Antike entwickelte sich der Brief zu einer richtigen literarischen Kunstform. Da es unter den Griechen und Römern viele große Denker gab, schrieben sie gerne ihre wichtigen politischen oder philosophischen Gedanken auf. Anhänger und Bewunderer konnten dann diese Briefe lesen, und so wurden die Gedanken verbreitet. Cäsar, Seneca und Cicero sind da nur einige Vorbilder.Der Brief war somit nicht mehr nur dazu da, private Nachrichten zu senden, sondern auch um Gedanken und Ansichten unter den Menschen zu verbreiten.Im Mittelalter nutzten dann vor allem Mönche den Brief als literarisches Ausdrucksmittel.
Verschiedene Briefsorten
Damals wie heute gibt es viele verschiedene Arten von Briefen. Da gibt es feurige Liebesbriefe, die das Herz zum Schmelzen bringen, aber auch gemeine Schmähbriefe oder gar anonyme Briefe. Bei anonymen Briefen hegt der Absender oft verbrecherische Absichten und nennt daher seinen Namen nicht.Sehr spannend sind auch versiegelte Briefe mit unsichtbarer Tinte, die nur der Empfänger mit speziellen Chemikalien wieder sichtbar machen kann.
Es gibt Bücher, in denen gleich ganze Sammlungen von Briefen abgedruckt sind. Oft handelt es sich um Sammlungen von privaten Briefen, die ein berühmter Schriftsteller, Komponist, Politiker oder auch Filmstar geschrieben hat. Wenn man sehr intelligent klingen will, kann man zu einer solchen Sammlung auch Epistolografie sagen, die meisten Menschen sagen aber einfach Briefsammlung dazu.Für uns als Leser ist eine solche Briefsammlungen sehr interessant, denn so erfahren wir von Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen des Verfassers, zu denen wir normalerweise keinen Zugang gehabt hätten. Denn eigentlich ist es ja nicht erlaubt, Briefe zu lesen, die nicht für uns persönlich geschrieben wurden. Meistens sind die berühmten Briefeschreiber deshalb auch tot, wenn ihre Briefe veröffentlicht werden. Sonst würde der eine oder andere vielleicht fuchsteufelswild werden vor lauter Zorn darüber, dass wir einfach in seinen geheimsten (Liebes)briefen schmökern.
Der Briefroman
Es gibt auch Romane, in denen spannende Geschichten durch fiktive, also ausgedachte Briefe erzählt werden. Diese Art von Romanen nennt man ganz einfach Briefromane. Wann genau diese Form des Romans erfunden wurde, lässt sich leider nicht mehr genau feststellen. Es gab schon im Jahre 1280 einen Roman, in dem die Briefe von Abaelard und Heloise, einem Liebespaar, abgedruckt waren. Dieses Buch von dem Schriftsteller Jean de Meungs trug den schönen Namen Rosenroman.Später, im 18. Jahrhundert, waren die Menschen von Briefromanen besonders begeistert .Einer der bekanntesten deutschen Dichter und Schriftsteller, Johann Wolfgang von Goethe, wurde 1774 mit seinem melancholischen Briefroman Die Leiden des jungen Werther über Nacht eine Berühmtheit. Es war Goethes erfolgreichster Roman und sogar einer der erfolgreichsten im gesamten 18. Jahrhundert. In dem Roman berichtet ein junger Mann namens Werther über seine unglückliche Liebe zu Lotte. Diese Lotte ist aber leider schon mit einem anderen verlobt . Letztendlich begeht Werther aus lauter Verzweiflung sogar Selbstmord. Auch Goethe selber war einmal in eine Frau verliebt, die mit einem anderen verlobt war. Diese Frau hieß Charlotte Buff, das klingt verdächtig nach der Lotte in dem Buch, und man vermutet, dass er viele seiner eigenen unglücklichen Gefühle in dem Roman verarbeitet hat.Umgebracht hat sich Goethe allerdings nicht, sondern hat sich dann doch lieber schnell in einige andere Frauen verliebt und sie mit seiner Dichtkunst verzaubert.Die Menschen damals waren geradezu verrückt nach Goethes Briefroman, und viele junge Männer trugen deshalb genau wie der junge Werhter eine gelbe Weste, einen blauen Frack mit Messingknöpfen, braune Stulpenstiefel und einen Filzhut.Mann kann die Euphorie, die dieser Roman auslöste, vielleicht mit dem Rummel um bekannte Filme, Rockbands oder der allgemeinen Sucht nach Harry Potter Büchern vergleichen.Wobei sich heute im Gegensatz zur damaligen Werther Mode relativ wenig Menschen den ganzen Tag als Harry Potter  verkleiden.
Es scheint allerdings, als würde der Briefroman bald einer moderneren Version weichen müssen. Heutzutage schreiben viele Menschen lieber E-Mails am Computer und SMS Nachrichten auf ihrem Telefon als mit Stift und Papier einen Brief.  Durch die elektronische Mitteilungen ist damit nicht nur der gute alte Brief vom Aussterben bedroht, sondern auch der Briefroman. So ließen dann auch die ersten E-Mail Romane nicht lange auf sich warten. Ob der E-Mail Roman aber so bekannt und beliebt wird wie der Briefroman, wird sich allerdings erst in einer Weile zeigen.